Musikproduktion. Promotion. Booking.

silberblick musik - Musikproduktion. Promotion. Booking.

 

Manfred Maurenbrecher

Berliner Liedermacher-Urgestein, unangepasst, aktuell und visionär!

1999: Weisse Glut (Conträr)

2002: Gegengift (Lamu-Musik)

2004: Ende der Nacht (Lamu-Musik)

2007: Glück (Reptiphon)

2009: Hoffnung für alle (Reptiphon)

2010: Maurenbrecher für alle – Tribute zum 60ten Geburtstag von Manfred Maurenbrecher mit 62 Künstlern auf 3 CDs (Reptiphon)

2011: wallbreaker (Reptiphon)

2013: no go (Reptiphon)

 

CD-Kritik “Rolling Stone”

Manfred Maurenbrecher – wallbreaker
CD-Kritik im Rolling Stone von Arne Willander
Ausgabe 201, Juli 2011

Wallbreaker – Solo live

Das Sheraton Hotel zu Luxor in Ägypten rät dem Gast “Bitte berühren Sie das Management” und empfiehlt: “Niedrig bleiben!”. Daraus hat Manfred Maurenbrecher das erste Stück dieses Programms formuliert, eine Anekdote nur, aber mit teleologischer Pointe: “Vielleicht war Gott nie so nah wie im Sheraton Hotel in Luxor.” Und dann greift er in die Tasten, wie man so sagt, und spielt “Durch die Wand”, das furiose Poem, das die Route vorgibt: “Wallbreaker” handelt von Reisen, durchaus auch von solchen, für die man nicht aus dem Haus zu gehen braucht – wobei man manchmal, so Maurenbrecher, das Gefühl hat, sich selbst nicht zu verändern, während die Zeit draußen vorbeirauscht. Maurenbrecher schöpft aus dem Leben, er erzählt von seiner Familie und vom Älterwerden, vom “südwestlichen Vorort”, in dem er wohnt, von Amerika in “Brooklyn Heights”, von der “Schrägen Straße”. Die Sprechtexte handeln von Smartphones und Hartzern, von einer Nachbarin mit süßen Füßen, von einem tristen Winter auf Kreta im Jahr 1979 und einem Landgasthof der Uckermark, in dem vier Schweiger schon vormittags am Stammtisch sitzen, und einer Zugfahrt von Leipzig nach Erfurt.

Es ist ein spöttisches, glasklares Amalgam aus Kabarett und Glosse, Satire und Impressionismus, eine sentimentale Reise durch die Zeiten und Gedanken, deren Zauber schwer zu beschreiben ist, weil er in Maurenbrechers Talking Blues liegt und in seinem Klavierspiel und in brutalen Einsichten wie der, dass die Monate der Einsamkeit womöglich die schönste Zeit waren. Die New-York-Vignette ist ein furioser Spoken-Word-Vortrag, der die Stadt als Neurosenhort aus Headsets, Hobos, Joggern, fetten Rappern und einer Yoko-Ono-Doppelgängerin schildert, dabei durchaus mit Bonhomie und poetischer Wahrheit. Randy Newmans “Oll Kentucky Home” hat Maurenbrecher deftig für die Mark Brandenburg umgedichtet; er singt die hoffnungsfrohe Melodie mit dem Brummen und Knarzen deutscher Provenienz – und Provinz.

Bei aller Weltneugier erzählt und räsoniert hier jemand von Heimat, fühlt sich manchmal fremd in der eigenen Sprache und zu Hause im Englischen, ganz kirre vom Schwachsinn der Kommunikation. Ein Klausner.

Im Booklet steht ein Aufsatz über das Jahr 1977, den grauen deutschen Herbst, in dem Maurenbrecher zum ersten Mal Newmans Platte “Little Criminals” (die er “neben dem Abwaschhaufen” der Wohngemeinschaft gefunden hatte) – besonders das Stück “Coppers On Parade”, das eine Polizeiparade als ein Fanal des Glücks schildert: “They’re coming down the street, coming right through the middle/ Oh mama, that’s the life for me.” Maurenbrecher schreibt, was für seine eigenen Songs gilt: „Ich wusste, ich würde mich schlagen müssen für dieses Stück.”

Rolling Stone, Ausgabe 201, Juli 2011
CD-Kritik von Arne Willander

 
© 2012 | AGB | Impressum | Kontakt
 
Realisation schneider wsHintergrundfoto: loidl / pixelio.de